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Top-Event: Gregor Lersch in Frankfurt am Main

Portrait GregorLersch

Er war schon „Regionalist“, als der Begriff noch nicht in aller Munde war. In seinem ganzen beruflichen Leben hat Gregor Lersch den heimischen Gartenbau gefördert. Durchaus mit kritischer Stimme und nicht mit Ablehnung gegenüber einer Flora, die aufgrund von Klimabedingungen in Mitteleuropa keine Wachstumschancen hat. Doch der Floral-Designer hat für sein Geschäft in Bad Neuenahr-Ahrweiler immer wieder nach regionalen Blumen-Spezialitäten gesucht und war fester Kunde auf den Blumengroßmärkten der Region.

Seit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft der Floristen (1976) und dem folgenden Triumpf beim Europa-Cup in Rom (1978) gilt Gregor Lersch als einer, wenn nicht der wichtigste Floral-Designer in Europa. Seine internationale Bedeutung manifestiert sich in zahlreichen Buchpublikationen und hunderten Seminaren und Vorträgen, die ihn in über 30 Länder führten. Auf deutschen Bühnen hat sich der Ausnahme-Designer in den vergangenen Jahren allerdings recht rar gemacht. Doch nun kann man ihn wieder erleben!

Der Blumengroßmarkt in Frankfurt am Main (BZG) hat Gregor Lersch für ein dreitägiges Seminar engagiert. Vom 7. bis zum 9. Oktober erarbeitet er mit den Teilnehmern Floristik zur Advents- und Winterzeit, am 9. Oktober wird zwischen 14:00 und 16:00 Uhr zu einer „Floralen Vernissage“ geladen. Erwarten darf man viele neue gestalterische Anregungen, denn seit fast 50 Jahren ist Gregor Lersch ein Vordenker und Impulsgeber für die Floral-Designer weltweit.

Ganz ohne Zweifel ist es vor allem Gregor Lersch zu verdanken, dass die deutsche Floristik weltweit so einen besonderen Ruf genießt. Dazu hat auch seine „Nachwuchsarbeit“ beigetragen. Sein Blumenfachgeschäft war über Jahrzehnte der Ort, an dem sich junge, besonders talentierte Floristen ihren letzten beruflichen Feinschliff holten. Eigentlich alle, die für ein, zwei Jahre in Bad Neuenahr „volontierten“, haben später in der Floristik formidable Karrieren hingelegt. Für sie wurde branchenintern der Begriff „Lerschlinge“ kreiert. 

Beispielhaft nennen kann man Mehmet Yilmaz, der seit einigen Jahren das Geschäft von Gregor Lersch weiterführt. Mehmet Yilmaz kam als kleiner „Stöpsel“ aus der Türkei nach Bad Neuenahr und durfte in der „Alten Gärtnerei“ von Gregor Lersch die Pflanzen gießen. Daraus ergab sich ein Ausbildungsplatz und später eine internationale Laufbahn, die 2015 vom 5. Platz (für die Türkei) auf der Floristen-Weltmeisterschaft in Berlin gekrönt wurde

 

Herbst-Trends: Farbenfroh und leicht

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Heide – das war das, was sich vor 30 Jahren Oma Erna zum Herbstbeginn gerne auf die Fensterbank stellte. Das ist längst vorbei, heute „begeistern sich für Callunen insbesondere junge Menschen“, meint Michael Peters, dessen Baumschule in Kevelaer zu den renommierten Callunen-Vermarktern in Deutschland gehört.

Es ist kein Wunder, dass gerade junge Pflanzenliebhaber Callunen für sich entdeckt haben. Denn es gibt sie in Gelb, Orange, Rot, Grün und sogar in Silber und Schwarz. Angeboten werden sie in Einzelfarben, dreifarbig als Trios oder in einer 5er Farbpalette. Sie wachsen aufrecht, hängend, kompakt oder flach. Sie sind langlebend, einfach zu pflegen und jedes Jahr kommen neue Varianten auf den Markt.

Callunen-Spezialist Michael Peters spricht etwa begeistert von den „neuen flauschigen Sorten“, die seit dem vergangenen Jahr als Fluffy-Samtheide angeboten werden. Mit ihnen gesellt sich zu Pflanzeneigenschaften wie Farbvielfalt, Leuchtkraft, Haltbarkeit und Pflegeeigenschaften nun auch ein haptisches Element – die Fluffy-Callunen fühlen sich wirklich an wie Samt.

Michael Peters gehört mit seiner Baumschule in Kevelaer zu den Gärtnern, die ihren Betrieb auf die regionale Vermarktung ausgerichtet haben. Viele Produkte verkauft er auf dem Blumengroßmarkt in Köln. Von Kevelaer nach Köln sind es 87 Kilometer Luftlinie. Was heißt: Die kurzen Transportwege sorgen für eine geringe CO2-Belastung. Wer solche regionalen Produkte kauft, der trägt aktiv zum Klimaschutz bei.

Das gilt ebenfalls für die Gräser der Baumschule Peters, einem weiteren herbstlichen Trend-Produkt. Gräser „entsprechen dem Naturtrend“, sie seien „strukturstark, vermitteln aber gleichzeitig Leichtigkeit“, schwärmt der Gärtner aus Kevelaer. Gräser ließen sich „gut in Kübel pflanzen“ – daher seien sie ideal für den Balkon und die Terrasse. „Zumal sie auch im Winter gut aussehen“.

Nachhaltigkeit wird priorisiert

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Die Produktion von Blumen und Pflanzen durch heimische Gartenbaubetriebe ist unter den Konsumenten hoch angesehen, da Regionalität ein ganz wesentlicher Aspekt des Nachhaltigkeitsgedankens ist. Und Nachhaltigkeit steht bei den Verbrauchern ganz oben auf der Präferenzliste, wie eine am 6. August veröffentlichte Umfrage der Direktbank ING zeigte. Danach votierten 51 Prozent der Befragten dafür, dass Umweltschutz auch zulasten von Wirtschaftswachstum bevorzugt werden soll. Nur 14 Prozent sprachen sich dagegen aus. Bemerkenswert in einer Zeit, die durch Rezessionsängste geprägt ist.

Der Wunsch, dass die deutsche Wirtschaft stärker auf nachhaltige Produktion ausgerichtet werden soll, hat nicht nur etwas mit Klimaschutzüberlegungen zu tun. Es geht den Menschen auch um die Verringerung der Abhängigkeit von Energielieferungen aus politisch problematischen Ländern. Mit anderen Worten: Wer regional produziert, hat selbst in der Hand, unter welchen Bedingungen dies geschieht.

Bezogen auf Nachhaltigkeit und die damit eng zusammenhängende regionale Produktion sind die deutschen Verbraucher weiter, als landläufig angenommen wird. In der ING-Erhebung gaben 41 Prozent der Befragten an, dass sie ihre Kaufgewohnheiten schon auf die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten umgestellt hätten. Weitere 31 Prozent können sich vorstellen, dies noch zu tun.

Beim Kauf von Blumen und Pflanzen ist nachhaltiges Konsumverhalten recht einfach. Wer bevorzugt Blumen und Pflanzen kauft, die von heimischen Gartenbaubetrieben produziert wurden, steht auf der richtigen Seite. Man sollte als Konsument in den Gartencentern, bei den Floristen oder Wochenmarkthändlern einfach danach fragen, ob die gewünschten Produkte auch aus der Region stammen.

Foto: Gerlach, BGM Mannheim

 

„Sommerflor“: Vielfalt und weitere Vorteile

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In den Garten-Centern, bei den Floristen und den Wochenmarkthändlern wird von „Sommerflor“ gesprochen. Gemeint sind damit die Schnittblumen, die ab Mai bis zum Herbst von den regionalen Gartenbaubetrieben produziert werden. Die Blumenhändler schätzen den „Sommerflor“ aus mehreren Gründen, ganz besonders aber aufgrund der Arten- und Sortenvielfalt. Während sich der internationale Blumenhandel auf immer weniger Arten stützt, produzieren die heimischen Gärtner im Sommer eine Schnittblumenvielfalt, die durch unterschiedlichste Farben und Formen besticht.

Neben der Vielfalt ist die Frische ein weiterer Vorteil des „Sommerflors“. Die Blumen haben keine tagelangen Reisen hinter sich, bevor sie in den Blumenläden angeboten werden. Der „Sommerflor“, der in den frühen Morgenstunden auf den Blumengroßmärkten verkauft wird und wenige Stunden später in den Geschäften steht, wird am Tag zuvor auf den Feldern der Gärtner geschnitten.

Es dauert also oft gerade einmal 24 Stunden vom Feld in die Vase. Diese Frische hat natürlich positive Auswirkungen auf die Haltbarkeit, insbesondere bei empfindlichen Blüten. Und bei der Artenvielfalt, die den „Sommerflor“ bei den Blumenliebhabern so beliebt macht, gibt es eine ganze Reise sehr attraktiver, aber auch empfindlicher Blüten.

Möglich sind diese besondere Frische und damit lange Haltbarkeit, weil die Transportwege sehr kurz sind. Dieser Aspekt bei Blumen „von hier“ ist bekanntlich ein nicht zu unterschätzender Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. Kurze 
Transportwege gleich weniger CO2-Belastung durch LKW oder Flugzeuge, so lautet die Gleichung.

Hinzu gekommen ist ein weiterer Aspekt. Bekanntlich sind die Transportkosten nahezu für alle Waren extrem gestiegen. Das wirkt sich auf die Endverbraucherpreise aus. Die gegenwärtig hohen Inflationsraten speisen sich zu einem guten Teil aus dem Kostentsunami in der Logistik. Regional erzeugte Blumen und Pflanzen werden aber nicht über weite Strecken transportiert, somit spielt der Kostenanteil der Logistik auch nicht so eine bedeutende Rolle. Daher hat der regionale „Sommerflor“, der eh schon als preiswert hat, noch weitere Preisvorteile.

Fotos: Cordula Kropke, BGM Hamburg

 

Blumen als Bienenweiden

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Man mag es bedauern, doch die Aufmerksamkeit der Menschen ist selten von Dauer. Insbesondere in unserem Medienzeitalter, in dem eine Nachricht nahezu im Stundenrhythmus die andere verdrängt. Ein gutes Beispiel für diese Entwicklung ist das Artensterben. Noch vor wenigen Jahren berichteten die Medien kontinuierlich über das weltweite Verschwinden insbesondere vieler Insektenarten. In Deutschland wurden die Wildbienen zu einem Symbol. In vielen Orten entstanden Initiativen zur Rettung der Bienen – oft unterstützt durch neue Gesetze der Landesparlamente.

Heute bestimmen der Ukraine-Krieg, die Inflation oder die weltweiten Lieferengpässe die Berichterstattung. Das Artensterben ist aus den Medien verschwunden, den Wildbienen wird kaum mehr Aufmerksamkeit zuteil. Doch das Problem ist natürlich nicht gelöst.

Daher haben auch in diesem Jahr die Blumengroßmärkte in Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Karlsruhe, Köln, Mannheim, Reutlingen und Ulm ihre vor mehreren Jahren ins Leben gerufene Bieneninitiative weitergeführt. Gekauft wurden 100.000 Samentütchen mit einer eigens für Bienenweiden zusammengestellten Blumenmischung.

Wie in der Vergangenheit werden die Samentütchen von den Blumengroßmärkten an ihre Kunden weitergereicht. In den Blumengeschäften, Garten-Centern und auf den Wochenmärkten gehen die Tütchen dann kostenlos an die Verbraucher. Mit der höflichen Bitte, denn Blumensamen an geeigneten Stellen auszubringen und so Bienenweiden entstehen zu lassen. Ein einfacher, aber sehr effektiver Weg, dem Bienensterben Paroli zu bieten.

Hinzu kommt natürlich, dass die regional orientierten Blumenerzeuger gerade jetzt im Hochsommer durch die Produktion der Sommerblumen automatisch dafür sorgen, dass die Bienen in den entsprechenden Regionen mit Nahrung versorgt werden. Aus Sicht des Artenerhalts sind Blumenwiesen natürlich etwas gänzlich anderes als etwa Rapsfelder, die ganz nett aussehen, doch den Bienenvölkern nicht helfen. Bevor die Blumen also von den Floristen angeboten werden und später in den Vasen der Konsumenten für viel Freude sorgen, haben sie schon ihren Teil zum Artenschutz beigetragen.

Foto: Rainer Obermeyer, BGM Ulm

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